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NZZ Online, 11. April 2012, 11:29 Uhr

Nun greift Obama an

Der amerikanische Präsident stellt sich auf Romney als Gegner ein

Der US-Präsident Barack Obama spricht in Boca Raton, Florida, über die wirtschaftliche Situation des Landes. Zoom

Der US-Präsident Barack Obama spricht in Boca Raton, Florida, über die wirtschaftliche Situation des Landes. (Bild: imago)

Der republikanische Herausforderer des amerikanischen Präsidenten Obama bei der Wahl im November wird wohl Mitt Romney heissen. Auch Obama stellt sich darauf ein.

(sda/dapd/afp/dpa/Reuters)

Nach dem Rückzug von Rick Santorum aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Republikaner ist die Schlacht ums Weisse Haus eröffnet. Bereits kurz nach der Abschiedsrede des Ex-Senators fuhr Amtsinhaber Barack Obama schweres Geschütz gegen seinen wahrscheinlichen Herausforderer auf.

«Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und desto weniger vertrauen sie ihm», heisst es in einer von Obamas Wahlkampfteam an Unterstützer verschickten E-Mail. Darin wurde Romney auch bezichtigt, sich die Präsidentschaft mit negativer Wahlwerbung erkaufen zu wollen.

Unterschiedliche Visionen

Obama spekulierte bereits seit einiger Zeit darauf, dass er an der Wahl am 6. November gegen Romney wird antreten müssen. Seit vergangenem Oktober richtete Obamas Wahlkampfteam seine Attacken auf den früheren Finanzmanager aus und warf Romney vor, ausschliesslich die Interessen der Oberschicht im Blick zu haben.

Anlässlich eines Auftritts in Palm Beach Gardens im Staat Florida erklärte Obama, dass im Wahlkampf zwei völlig unterschiedliche politische «Visionen» aufeinanderträfen. In der Wahl im November gebe es wahrscheinlich den grössten Kontrast zwischen den Kandidaten seit fast fünf Jahrzehnten, sagte er, ohne Romney beim Namen zu nennen.

Überraschter Romney

Obama nutzte seine Reise nach Florida vor allem, um für seine Steuerpläne zu werben. Er prangerte erneut an, dass die Schere zwischen den Superreichen und dem Rest der Bevölkerung in den USA immer weiter auseinanderklaffe.

Romney zeigte sich nach der Ankündigung seines Rivalen überrascht. Der Schritt sei für ihn unerwartet gekommen, erklärte der Ex-Gouverneur von Massachussetts. «Es war ein guter Tag für mich», resümierte er. Santorum sei dennoch eine wichtige Stimme und werde auch in Zukunft eine bedeutende Rolle bei den Republikanern spielen.

Für Romney kommt die De-facto-Vorentscheidung zur rechten Zeit: Ein sich lange hinziehendes parteiinternes Ringen um die Nominierung hätte seine Kriegskasse empfindlich geschwächt und die Trennung zwischen dem Partei-Establishment und den Erzkonservativen an der Basis befördert.

Punkten mit Wirtschaftskompetenz

Der Ex-Unternehmer zieht in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und unsicherer Konjunkturaussichten vor allem mit seiner Wirtschaftskompetenz zu Felde. Hier ist Obama angreifbar: In einer jüngst veröffentlichten Umfrage für die «Washington Post» und «ABC» kommt Obama zwar auf 51 Prozent Zustimmung, Romney liegt bei 43 Prozent. Im Umgang mit der Konjunkturflaute und dem Abbau der immensen Staatsverschuldung gaben die Befragten dem potenziellen Herausforderer aber den Vorzug.

Die zuletzt spürbare Erholung am Arbeitsmarkt geriet ins Stocken, als die schwächelnde Wirtschaft im März mit 120'000 Jobs deutlich weniger neue Stellen schuf als von Experten erhofft. Zuletzt war der Eindruck entstanden, die Wirtschaft bringt immer mehr Amerikaner in Lohn und Brot. Romney will den Präsidenten auf dem Feld blossstellen. «Nach drei Jahren im Amt gehen Obama die Ausreden aus», sagte er jüngst.





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