Direkte Links und Access Keys:

Neue Zürcher Zeitung, 24. Mai 2012, 06:03 Uhr

Mitt Romney holt auf

Umfragen deuten auf Kopf-an-Kopf-Rennen mit Obama hin

Zoom

Mitt Romney: Hat doch Chancen. (Bild: Keystone/ AP/ Jae C. Hong)

Das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft ist laut den jüngsten Umfragen völlig offen. Sogar Republikaner staunen darüber, wie rasch ihr Kandidat Romney zum Amtsinhaber Obama aufschliessen konnte.

Peter Winkler, Washington

Hatte es vor einigen Wochen noch danach ausgesehen, als könnte der amerikanische Präsident Obama mit hervorragenden Chancen rechnen, seine Wiederwahl im Herbst zu schaffen, so zeichnen jüngere Umfragen unter potenziellen Wählerinnen und Wählern nun ein etwas anderes Bild. Zwar führt der Amtsinhaber auf nationaler Ebene immer noch in den meisten Befragungen, wie beispielsweise auch in der neuesten Umfrage des «Wall Street Journal» und von NBC News mit 4 Prozentpunkten (47 zu 43 Prozent). Doch der Abstand im Durchschnitt der Umfragen über die letzten zwei Wochen liegt nach den Berechnungen der Internetplattform «Real Clear Politics» bei nur 1,7 Prozent. Für die Demokraten besteht damit kein Grund für Siegesgewissheit.

Silberstreifen am Horizont

Die Aufholjagd bewirkt, zusammen mit Resultaten aus besonders umkämpften «Schlachtfeld-Staaten», dass sich die Republikaner bedeutend schneller als erwartet hinter ihrem mutmasslichen Kandidaten Mitt Romney scharen, weil sie einen Pfad zum Sieg im Herbst zu erkennen glauben. Karl Rove, stellvertretender Stabschef des Weissen Hauses in der Ära des jüngeren Bush, entwickelte bereits eine Strategie namens «3-2-1», die Romney ans Ziel bringen soll.

Auch bei der Präsidentenwahl am 6. November ist emotionslose Mathematik im Spiel. Gewinnen wird die Wahl, wer die absolute Mehrheit im Wahlmännergremium mit seinen 538 Mitgliedern erreichen wird, also 270 Stimmen. Um auf diese Zahl zu kommen, müsste Romney in Roves Plan zuerst einmal die drei traditionell republikanischen Staaten Indiana, North Carolina und Virginia ins republikanische Lager zurückholen, die 2008 für Obama gestimmt hatten. Zudem müsste der frühere Gouverneur von Massachusetts in Ohio und in Florida gewinnen, in den zwei grossen Brocken unter den sogenannten «Schlachtfeld-Staaten», deren Wahlausgang immer etwas ungewiss ist.

Dass diese Aufgabe zwar schwer, aber nicht unmöglich ist, wird von den republikanischen Strategen mit dem Umstand begründet, dass diese beiden Staaten 2004 Bush gewählt hatten, bevor sie 2008 in Obamas Lager umschwenkten. Schliesslich müsste Romney seinem Gegenspieler Obama nur noch einen einzigen jener kleineren Staaten entreissen, die häufig zwischen Republikanern und Demokraten pendeln und bei der letzten Wahl ebenfalls auf Obamas Seite landeten. Voraussetzung für einen Erfolg dieser Strategie ist natürlich, dass Romney alle jene Staaten erneut an sich binden kann, die schon 2008 für Obamas damaligen Gegenspieler, Senator McCain aus Arizona, gestimmt hatten.

Romney in Florida vorn

Rove, einer der rührigsten republikanischen Parteistrategen im Land, ist natürlich ein professioneller Schönwettermacher, zu dessen Aufgabe es gehört, von einem Sieg auch dann zu reden, wenn er noch in sehr weiter Ferne liegt. Aber die Umfrageresultate scheinen immerhin darauf hinzudeuten, dass Romney dabei ist, gegenüber Obama aufzuholen. In einigen wichtigen Staaten, die auch in Roves 3-2-1-Strategie tragende Stützen sind, liegt der republikanische Herausforderer sogar schon in Führung. So ermittelte das renommierte demoskopische Institut der Universität Quinnipiac in Hamden (Connecticut) in seiner letzten Umfrage in Florida einen stattlichen Vorsprung Romneys von 6 Prozentpunkten. In Ohio lagen die beiden Kontrahenten laut den Quinnipiac-Befragungen praktisch gleichauf.

Selbst unter Republikanern gibt man sich zurzeit überrascht davon, wie schnell sich die konservative Basis mit demselben Kandidaten Romney abgefunden hat, den sie bis vor kurzem noch wegen angeblich mangelnder rechtskonservativer Überzeugung verschmäht hatte. Mit der Auswahl zwischen Romney und Obama konfrontiert, schien sie die Entscheidung dann doch ganz einfach getroffen zu haben.





Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
keine

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder