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Tagblatt Online, 27. Januar 2012, 07:19 Uhr

Was war mit Newt dem Wutbürger los?

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Thomas J. Spang

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Was war mit Wutbürger Gingrich los? Leanette Vollmer (58) hatte vor der Präsidentschaftsdebatte in Jacksonville eigentlich auf einen KO-Schlag gehofft. “Er wird ihn aus den Schuhen hauen”, erzählt sie mir nach einer hitzigen Veteranenkundgebung mit Newt an der Universität von Nord Florida.


Diesen Eindruck hatte der jüngste Spitzenreiter in den nationalen Umfragen zuvor schon in Mount Dora erweckt, als er gegen das republikanische Establishment austeilte. Die Parteiführer steckten “über dem Frühstückskaffee, das Mittagessen und beim Cocktail die Köpfe zusammen und fragten einander: Wie können wir Gingrich stoppen?”

Tatsächlich stand Newt am Donnerstag unter massivem Sperrfeuer, das nicht nur aus dem Romney-Camp, sondern auch von Konservativen kam. Von Ex-Gouverneur Tim Pawlenty aus Minnesota über den Blogger Matt Drudge bis hin zur Buchautorin Ann Coulter. Ihre Botschaft: Newt sei nicht in der Lage, dem Druck des Präsidenten standzuhalten. Wer Obama loswerden wolle, könne deshalb nicht für Newt sein.

Gingrich wirkte ausgesprochen matt auf der Bühne an der Universität von Nord-Florida. Während der Präsidentschafts-Debatte in Jacksonville fehlte im jeder Biss. Zur Enttäuschung seiner Anhänger bei der Tea-Party und aus den Reihen der christlichen Fundis teilte nicht er, sondern Romney aus. Der Moderate aus Massachusetts praktizierte politischen Jiu-Jitsu vom Feinsten.

Er legte Gingrich auf Kreuz als ihn dieser dafür anging, eine Millionen Dollar von den Immobilienriesen Freddie Mac und Fannie Mae sowie der Investmentbank Goldman Sachs verdient zu haben, “die heute Einwohnern von Florida die Hypotheken kündigt”. Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen fragte Romney: “Mr. Speaker, ich weiß das klingt nach einer enormen Enthüllung. Aber haben sie schon einmal ihre eigenen Anlagen überprüft?” Um dann die Antwort selber zu geben. “Sie haben auch über Fonds in Fannie und Freddie investiert.”

Gingrich gab klein bei. “All right”. Wie er auch mit seiner Attacke auf das “Schweizer Konto” nicht durchkam und Schwierigkeiten hatte, zu erklären, warum Romney mehr gegen Einwanderer sei als er selber. “Das ist einfach nicht zu entschuldigen,” ereifert sich der Kandidat, dessen Vater in Mexiko zur Welt gekommen war.

Das Publikum half Gingrich diesmal nicht. Vielmehr hinderte der Beifall für Romney den Speaker wiederholt, einen direkten Gegenschlag zu landen. Nicht einmal Newts notorische Spitze gegen “die Medien” kam an. CNN-Moderator Wolf Blitzer ließ sich nicht über den Mund fahren, als Newt die Frage nach dem Schweizer Konto zurückwies.

Die Rolle des Angreifers übernah, Rick Santorum, der in Florida chancenlos ist. Er demontierte regelrecht Romneys Gesundheitsreform in Massachusetts, die auf Ebene der Einzelstaaten nichts anderes sei wie die von Präsident Obama durchgesetzte Reform auf Nationaler Ebene. “Wie wollen sie auf dieser Grundlage eine Alternative zum Präsidenten sein?”

Umfragen verheißen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das hat sich nach der 19-ten Debatte nicht verändert. Aus den Gesprächen mit Wählern vor und nach der Debatte lässt sich kein klarer Gewinner ausmachen. Elaine und Thomas Sloane sind der persönlichen Angriffe überdrüssig. Nach dieser Debatte würden sie am liebsten Ron Paul wählen. “Wenn das nicht eine weggeworfene Stimme wäre.”





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