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Tagblatt Online, 22. Mai 2012, 02:37 Uhr

Obama greift Romneys Wirtschaftserfahrung an

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Thomas J. Spang

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Barack Obama gerät wegen seiner Angriffe in Werbespots auf Mitt Romneys Zeit an der Spitze von “Bain Capital” innerparteilich unter Druck. Zuletzt erklärte Newarks Bürgermeister Cory Booker in der viel gesehenen Talkshow “Meet The Press”, ihm sei “übel” von den ganzen “negativen Attacken”. All dies lenke “von den wirklichen Themen ab”, um die es im November gehe. Ganz ähnliche Kritik an Obamas Wahlkampftaktik äußerten auch der frühere Auto-Zar Steve Rattner und der Ex-Kongressabgeordnete Harold Ford. Der Vorstoß der drei angesehenen Moderaten und Verbündeten des Präsidenten irritiert nicht nur Obamas Wahlkampfteam, sondern den Amtsinhaber selber.

Auf einer Pressekonferenz, die eigentlich dem NATO-Gipfel gewidmet war, nutzte er die Gelegenheit, die Kritik mit aller Deutlichkeit zurückzuweisen. “Das hat mit Ablenkung nichts zu tun”, erläuterte Obama seine Strategie. Das ist, worum es in diesem Wahlkampf geht.”

Ein Präsident habe andere Aufgaben als ein Vorstandschef oder Geschäftsführer. Im Weißen Haus gehe es nicht darum, Profit zu machen. “Sie müssen herausfinden, wie jeder in diesem Land eine faire Chance bekommen kann.” Da Romney selber seine Erfahrung als CEO von Bain ins Zentrum des Wahlkampfs gerückt habe, müsse er seine Leistungen hinterfragen lassen.

Obama hat Recht, die Behauptung Romneys er sei der “Mr. Fix-It” der amerikanischen Wirtschaft, nicht unwidersprochen stehen lassen. Aber er muss aufpassen, mit seiner Kritik nicht zu überziehen. In den USA gibt es viele Bürger, die sich einen CEO im Weißen Haus wünschen. Der letzte, der damit erfolgreich Wahlkampf gemacht hatte, war George W. Bush.

Dass alle drei innerparteilichen Kritiker enge Beziehungen in die Finanzwelt haben, mag erklären, warum sie sich jetzt zu Wort melden. Typisch für die Demokraten: Während die Republikaner trotz aller Blessuren während des Vorwahlkampfs geschlossen hinter ihrem Kandidaten stehen, fehlt den “Liberals” die Disziplin. Statt höflich zu schweigen, machen sie sich auf Kosten ihres Bannerträgers wichtig. Obama konnte das nicht im Raum stehen lassen.

Romney ging seinerseits in die Offensive . “Präsident Obama hat heute bekräftigt, dass er die Angriffe auf das freie Unternehmertum fortsetzen will.” Bei der Wahl gehe es um 23 Millionen arbeitslose Amerikaner, “die keinen Job finden und Millionen, die ihre Häuser verloren haben und in Armut verschwanden”.

Hat der Kandidat plötzlich doch ein Herz für die “kleinen Leute”? Nicht wirklich. Tatsächlich will er da weiter machen, wo George W. Bush aufgehört hatte: Mit einer Politik der Umverteilung von unten nach oben.  Romney  versucht nur geschickt  vergessen zu machen, dass diese Politik schnurstracks in die Krise geführt hat, aus der sich die US-Wirtschaft heute im Zeitlupentempo herausarbeitet.





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