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NZZ Online, 22. April 2012, 22:27 Uhr

Rückenwind für Hollande

Gutes Resultat für Le Pen – Rennen um die französische Präsidentschaft bleibt offen

François Hollande, Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, freut sich über seinen Sieg im ersten Wahlgang. Zoom

François Hollande, Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, freut sich über seinen Sieg im ersten Wahlgang. (Bild: Patrick Kovarik / AFP)

In den französischen Präsidentschaftswahlen hat sich François Hollande vor Nicolas Sarkozy für die Stichwahl qualifiziert. Das Rennen bleibt offen, weil der rechte Front national auftrumpft.

Manfred Rist, Paris

Frankreich hat gewählt, aber entschieden ist noch nichts. Der sozialistische Präsidentschaftsbewerber François Hollande ist im ersten Durchgang zwar mit einem Glanzresultat von 28,6 Prozent der Stimmen in Führung gegangen; auch hat er Nicolas Sarkozy, der einen Anteil von 27,1 Prozent verzeichnet, deutlich distanzieren können. Aber das Stimmenreservoir des Parti socialiste, das die anderen linken Kandidaten verkörpern, ist geringer ausgefallen, als aufgrund von Stimmungsbarometern erwartet worden war.

Gemessen an letzten Umfrageergebnissen vor der Wahl hat nämlich Jean-Luc Mélenchon vom Front de gauche mit «nur» rund 11 Prozent enttäuscht. Eva Joly, die Kandidatin der Grünen, hat mit 2 Prozent gar katastrophal abgeschnitten. Entsprechend mager kann der Sukkurs für Hollande aus diesen eigentlich verbündeten Lagern ausfallen. Sowohl bei Sarkozy als auch bei Hollande hängt mit anderen Worten alles von der Mobilisierung der Wählerschaft in den nächsten zwei Wochen ab.

Franzosen in der Schweiz halten zu Sarkozy

Die in der Schweiz lebenden Franzosen haben sich beim Urnengang vom Sonntag offenbar deutlich für den amtierenden Präsidenten ausgesprochen. Nicolas Sarkozy erzielte gemäss Schätzungen doppelt so viele Stimmen wie sein Herausforderer François Hollande. Sarkozys Wähleranteil in der Schweiz betrage 40 Prozent, Hollande habe rund 20 Prozent erreicht, erklärte Claudine Schmid von der konservativen Partei UMP. Die Sozialisten bestätigten diese provisorischen Angabe.

Der Sekretär der französischen Sozialisten in Genf, Louis Lepioufle, sprach von einem «massiven Votum» für Sarkozy in der Calvin-Stadt. Auf dem dritten Platz liegt demnach der Zentrist François Bayrou, anschliessend folgt Marine Le Pen vom rechtsextremen Front national (FN).

Marine Le Pen feiert ihren Wahlerfolg. Zoom

Marine Le Pen feiert ihren Wahlerfolg.
(Bild: Keystone / EPA)

Die zweite Siegerin heisst Marine Le Pen. Die Präsidentin des Front national (FN) hat schon in ihrem ersten Anlauf auf die französische Präsidentschaft mit 18 Prozent einen höheren Stimmenanteil erzielt als seinerzeit ihr Vater und Gründer des FN, Jean-Marie Le Pen, vor zehn Jahren. Fast ein Fünftel der französischen Wählerschaft hat also ein Protestvotum rechts eingelegt. Das Resultat des FN bedeutet aber auch, dass Sarkozy einen grossen Teil der Wähler ganz rechts, die ihm 2007 zum Sieg verholfen hatten, verloren hat – zumindest im ersten Durchgang.

Wie viel er von dieser «Kundschaft» wieder holen wird, ist offen; um überhaupt in die Reichweite eines Siegs am 6. Mai zu kommen, müssten es weit über die Hälfte sein. Der FN indessen hat inzwischen seine eigene Anti-Sarkozy-Dynamik entwickelt, die gar einen Teil seines guten Abschneidens begründet. Für Sarkozy mag allenfalls seine Taktik sprechen, sich schon im Wahlkampf kräftig nach rechts gelehnt zu haben.

Im Wahlkampfgetöse untergegangen ist der nur an fünfter Stelle liegende François Bayrou (9 Prozent). Er konnte sich auch diesmal nicht als glaubwürdige Alternative im etablierten Links-Rechts-Schema Frankreichs positionieren. Paradoxerweise wird aber sein Zentrum nun im wahrsten Sinne zentral: Dem zwischen dem PS und der UMP lavierenden Bayrou könnte nun gar die entscheidende Wahlempfehlung zukommen.

((info-box)





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