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Tagblatt Online, 20. August 2012, 01:37 Uhr

Zaugg verkörpert alle Klischees

KOPF DES TAGES

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Wird auf Händen getragen: Schwägalp-Sieger Thomas Zaugg nach dem Schlussgang gegen Matthias Sempach. (Bild: Ralph Ribi)


Zaugg verkörpert alle Klischees

Der ehemalige Eidgenössische Obmann Ernst Schläpfer beobachtete auf der Schwägalp im dritten Gang die Berner und Innerschweizer Eidgenossen. Zu jenen Bösen, die ihm auffielen, gehörten der Innerschweizer Andreas Ulrich und der Berner Thomas Zaugg. «Beide werden unterschätzt, können aber auf der Schwägalp gewinnen», wagte der Appenzeller eine mutige Prognose.

Techniker Ulrich wurde Zweiter und Zaugg siegte. Obwohl er sich am Unspunnenfest auf Rang drei schwang, 2011 am Schwarzsee gewann, nahm den 32jährigen Eggiwiler ausserhalb des Emmentals kaum jemand wahr. Schwinger wie König Kilian Wenger, Matthias Sempach oder Christian Stucki standen ihm vor der Sonne. Sie gelten als grosse Gegner der Nordostschweizer, nicht aber der Landwirt und Zimmermann vom Schwingklub Schangnau-Siehen, in dem er als Technischer Leiter im Vorstand mitarbeitet.

Vordrängen mag sich Zaugg weiterhin nicht und er relativiert auch gleich den Sieg auf der Schwägalp, den er zwar als seinen grössten Erfolg betitelt, «aber dass ich dieses Jahr das Emmentalische vor eigenem Publikum gewinnen konnte, war auch ein ganz besonderes Erlebnis», sagt er. Euphorie tönt anders. Zaugg entspricht dem Bild, das viele von einem Sennenschwinger aus dem Bernbiet haben: freundlich, zurückhaltend, bescheiden und eher wortkarg. Er fühlt sich vor allem unter den Schwingern, in seiner Umgebung und seinem engsten Umfeld wohl.

Das Lob von Arnold Forrer

Arnold Forrer kann nicht verstehen, dass der Name Zaugg bisher weitgehend unbekannt war. «Er zeigt seit Jahren ausgezeichnete Leistungen. Ich habe gegen ihn auf der Schwägalp schon einmal verloren», sagt dieser. Eugen Hasler, Technischer Leiter der Innerschweizer und auf der Schwägalp in der Einteilung engagiert, findet ebenfalls, dass Zaugg bisher unterschätzt wurde. «Sein Können wurde nicht entsprechend gewürdigt, jenes von andern, Schwächeren, jedoch schon. Dabei bringt er technisch und athletisch die Voraussetzungen mit, die einen Spitzenschwinger auszeichnen», so Hasler. «Wenn er seine Stärken weiter umsetzen kann, wird er auch für das Eidgenössische in Burgdorf zum Anwärter auf eine vordere Klassierung.»

Wer auf der Schwägalp gewinnt, ist zu vielem fähig. Burgdorf soll ein weiterer Höhepunkt werden. «Ich hoffe, den Winter verletzungsfrei überstehen zu können. Dann ist sicher einiges möglich», sagt Zaugg. Aber irgendwelche hochgesteckten Ziele in der Öffentlichkeit formulieren zu wollen, darauf wird er auch künftig verzichten.

Milch und Volksmusik

Der 1,84 Meter grosse und 106 Kilogramm schwere zweifache Eidgenosse hört vor allem Volksmusik und isst gerne Schnitzel und Pommes frites. Müsste ein Schwinger bestimmt werden, der alle Klischees verkörpert, Milchtrinker Zaugg käme in die engste Wahl. Er nähme dies wohl zur Kenntnis, würde sich freuen, sähe andere aber als geeigneter. Wegen des ersten Bergfestsieges wird er seinen Charakter nicht ändern. Zaugg bleibt Zaugg. Urs Huwyler



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