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Tagblatt Online, 19. Mai 2012, 08:36 Uhr

Jörg Stiel: «Nicht die Gnade gehabt, den besseren spielen zu lassen»

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Daniel Lopar (l.) hat das Goalieduell beim FC St.Gallen gewonnen - Germano Vailati verlässt den Verein in Richtung Basel. (Bild: Archiv/Urs Bucher)

FUSSBALL. Der FC St.Gallen lässt Torhüter Germano Vailati nach Basel ziehen und holt dafür Marcel Herzog. Der frühere Meistergoalie Jörg Stiel hat wenig Verständnis für diese Rochade – und übt Kritik am Umgang des Vereins mit Vailati.


Jörg Stiel, Germano Vailati wechselt von der St.Galler auf die Basler Ersatzbank. Verstehen Sie den Entscheid des Tessiners, den FCSG zu verlassen?
Jörg Stiel: Aufgrund von dem, was er in St.Gallen erlebt hat: absolut, ja. Zudem ist Germano Vailati doch schon fast 32-jährig. Nun hat ihm Basel die Chance gegeben, für drei Jahre zu unterschreiben.
 
Aber Vailati hielt immer fest, er sei keine Nummer 2. Und in Basel wurde er klar als Ersatztorhüter von Yann Sommer vorgestellt.
Stiel: Es ist ein Riesenunterschied, ob man beim FC St.Gallen oder in der Champions League beim FC Basel auf der Ersatzbank sitzt. Es ist auch nicht dasselbe, ob man die Nummer 2 hinter Daniel Lopar ist oder hinter Yann Sommer, den ich aktuell für den besten Torhüter halte, der bei einem Schweizer Verein spielt.
 
Wie bewerten Sie den Weggang Vailatis aus der Sicht des FC St.Gallen? Der Club verliert immerhin die frühere Nummer 3 der Schweizer Nati und einen Goalie mit viel Ausstrahlung.
Stiel: Zu dieser Frage müsste Sportchef Heinz Peischl Stellung nehmen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
 
Hat möglicherweise auch die menschliche Komponente eine Rolle beim Entscheid gespielt, Herzog für Vailati zu holen? Es ist immer wieder zu hören, dass Vailati keinerlei Wert auf ein gutes Verhältnis zu Daniel Lopar legte.
Stiel: Da unterstellt man Germano Vailati etwas, ohne Genaueres zu wissen. Ich kenne Vailati schon lange. Ich kann sagen, dass er charakterlich einwandfrei ist. Charakter hat er auch mit Top-Leistungen bei seinen wenigen Einsätzen in der ersten Mannschaft in dieser Saison bewiesen, genauso wie bei den Spielen mit der U21. Und ganz unabhängig davon: Ich hatte früher Klaus Reitmaier als direkten Konkurrenten im gleichen Team, den wohl unkollegialsten Menschen, der mir je begegnet ist. Ich musste trotzdem Leistung bringen. Da muss man einfach durch.
 
Hätten Sie Daniel Lopar nach Germano Vailatis Genesung letzten Sommer denn wieder aus dem Tor genommen? Er hatte bis dahin ja keine groben Fehler gemacht.
Stiel: Man muss sehen, was vor der Verletzung Vailatis war. Er spielte als Nummer 1 wochenlang unter Schmerzen, und dies stark. Als er wieder fit war, hätte er meiner Meinung nach klar wieder Stammtorhüter sein sollen.
 
Denken Sie, dass sich Marcel Herzog klaglos auf die Ersatzbank setzen wird - oder werden die Karten auf die neue Saison hin ohnehin neu gemischt?
Stiel: Auch Marcel Herzog kenne ich seit längerem. Er kommt mit Sicherheit nicht nach St.Gallen, um die Nummer 2 zu sein.
 
Es gibt immer wieder Zweifler, die Daniel Lopars Super-League-Tauglichkeit in Frage stellen. Wie sehen Sie das?
Stiel: Daniel Lopar kann an guten Tagen Super League spielen. Wenn er aber nervlich und mental nicht auf dem höchsten Level ist, wird es schwierig.
 
Besteht da noch Hoffnung auf Besserung, zumal er doch auch schon 27 ist?
Stiel: Mit 28 ist ein Goalie im besten Alter. Aber einiges hat sicherlich auch mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun.
 
Wird es der FC St.Gallen in einem halben Jahr bereuen, Germano Vailati abgegeben zu haben?
Stiel: Nicht unbedingt, denn mit Marcel Herzog hat der Verein einen ebenfalls starken Torhüter geholt. Aber die Goaliesituation wäre ja eigentlich schon gelöst gewesen, wenn man die Gnade gehabt hätte, den besseren der beiden, immerhin die frühere Nummer 3 der Nati, spielen zu lassen. Es gibt wichtigere Baustellen beim FC St.Gallen.
 
Interview: Daniel Walt

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Leser-Kommentare:
3 Beiträge
unbekannt (19. Mai 2012, 20:14)
ein weiser,.................

............kluger mann, dieser germano vailati - er verlässt das zum untergang bestimmte schiff, bevor es ausgelaufen ist -

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Hansheiri (19. Mai 2012, 13:01)
Bravo Stiel

Endlich sagt ein Fachmann mal öffentlich, was Sache ist. Aber leider zu spät. Saibene hat sein Ziel nun erreicht, Vailati weggeckelt, ihm keine faire Chance gegeben und hätte es auch in der kommenden Saison nicht getan. Hoffentlich rächt sich das nicht. Lopar hat klar nicht die Klasse für die A, und wenn ihn jetzt Herzog verdrängen könnte, müsste ja Saibene zugeben, dass er Vailati einfach nicht wollte.

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pms (19. Mai 2012, 10:22)
beste Lösung

also:
bester SL-Torhüter ist klar nicht Sommer, sondern Vanins!
Vailati ist gut, sicher aber auch teuer!
Stiel unterschätzt Lopar klar! Wer genau hinsieht entdeckt wenige Fehler, so wie bei jedem guten Torhüter!

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