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Tagblatt Online, 30. April 2012, 13:42 Uhr

FC St.Gallen schafft Klarheit bei Stadionverboten

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Wer Pyro zündet, soll auch in Zukunft mit einem Stadionverbot bestraft werden. (Bild: Ralph Ribi )

FUSSBALL. Nachdem der FC St.Gallen eine verschärfte Stadionverordnung eingeführt hatte, wurden vermehrt Fan-Stimmen laut, die Willkür beim Aussprechen von Stadionverboten vermuteten. Eine neue Vorgehensweise soll diese Vorwürfe nun entkräften.

René Rödiger

Der Aufschrei in der Fanszene zu Beginn der Rückrunde war gross: Der FC St.Gallen kündigte unter anderem Stadionverbote für Anhänger an, die das Abbrennen von Pyros aktiv unterstützen. Die Folge waren Proteste beim ersten Heimspiel gegen Delémont.

Nun scheint sich die Situation etwas beruhigt zu haben. In Gesprächen zwischen dem Verwaltungsrat, den Sicherheitsverantwortlichen, dem Fanverantwortlichen und den Fanarbeitern des FC St.Gallen wurde das Anhörungsrecht für von einem Stadionverbot betroffene Fans verbessert und transparent gemacht.

«Schritt in die richtige Richtung»
«Grundsätzlich ist dieses Anhörungsrecht nicht neu. Wir haben jetzt einfach die Vorgehensweise veröffentlicht», sagt Daniel Last, Mediensprecher der FC St.Gallen AG. Damit wolle der Verein zeigen, dass es eine Zusammenarbeit mit den Fanvertretern gibt und die Anliegen der Fans ernst genommen werden.

Alex Hasler, Fanarbeiter des FC St.Gallen, sieht sehr wohl eine Neuerung im Verfahren: «Das mündliche Anhörungsrecht gab es zuvor noch nicht.» Die neue Vorgehensweise begrüsst er, auch wenn die Faktenlage in vielen Fällen klar sein wird und auch in Zukunft kaum je ein Stadionverbot rückgängig gemacht werden wird: «In einem Rechtsstaat soll man auch das Recht darauf haben, sich zu verteidigen. Dieses Anhörungsrecht ist nun ein Schritt in die richtige Richtung.» Die Rechtssicherheit ist verbessert, damit gehört für Hasler auch das Wort «Willkür» bei Stadionverboten der Vergangenheit an.

Höhen und Tiefen
Michael Blatter vom Dachverband 1879 sagt: «Für einen Fussballfan war es in der Vergangenheit nicht ganz einfach, seinen Standpunkt einzubringen, wenn gegen ihn ein Stadionverbot ausgesprochen wurde.» Er wertet das neue Anhörungsrecht als positive Entwicklung. «Aber wenn man einen solchen Prozess definieren muss, zeigt das auch, dass in der Vergangenheit nicht alles optimal war», sagt Blatter.
 
«Es ist ein gutes Zeichen für die Zukunft, wenn der Verein und die Fanvertreter gemeinsam Lösungen suchen», sagt Blatter. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, sei aber noch unklar: «Es ist völlig normal, dass es zwischen den Fans und einem Verein Höhen und Tiefen gibt.»
 
Blatter glaubt, dass das neue Anhörungsrecht auch bei den Fans positiv aufgefasst werden wird. Rückmeldungen hat er jedoch noch keine bekommen.

Möglichkeit einer Anhörung
Im Falle eines fehlbaren Verhaltens steht zunächst die Eröffnung eines Verfahrens durch die Sicherheitsverantwortlichen des FC St.Gallen - nach vorheriger Rücksprache mit der Polizei. Danach wird ein provisorisches Stadionverbot erlassen. Die betroffene Person hat innert sieben Werktagen ab Zustellung des Stadionverbots die Möglichkeit, eine Anhörung zu verlangen. Die Fanverantwortlichen und die Fanarbeiter bearbeiten einen solchen Antrag und können das Gesuch bereits abweisen. Damit würde das Verbot umgehend und definitiv in Kraft treten.

Sollten die Fanverantwortlichen und Fanarbeiter dem Gesuch zustimmen, kommt es zu einer Anhörung, bei der auch die Sicherheitsverantwortlichen des FC St.Gallen beteiligt sind. Letztendlich entscheiden dann diese, ob das Stadionverbot bestätigt, reduziert oder aufgehoben wird.

«Faires und sauberes Verfahren»
Ob diese neue Transparenz bei den Stadionverboten bei den Fans ankommt, weiss Daniel Last noch nicht: «Wir müssen jetzt abwarten. Für uns war es einfach wichtig zu zeigen, dass wir bemüht sind, Missverständnisse auszuschliessen und keine Willkür walten lassen.»

Die Fanvertreter seien damit aber noch nicht am Ende der Verhandlungen rund um die Stadionverbote. «Der Fan-Dachverband 1879 hat noch verschiedene Punkte bei der Klubleitung deponiert. Ob es weitere Annäherungen geben wird, können wir nicht sagen. Zumindest schaut sich die Führung diese Vorschläge an und dieser Schritt geht in die richtige Richtung. Die neue Gesprächsbereitschaft und die Zusammenarbeit FCSG - Fanarbeit trägt zum ersten mal Früchte», sagt Alex Hasler.

Ganz glücklich ist der Fanarbeiter des FC St.Gallen noch nicht: «Die Entscheidung am Schluss des Verfahrens sollte bei einem Stadionverbot von einer 'unabhängigen' Stelle gefällt werden. Das kann meiner Meinung nach auch ein Vertreter des Vereins sein, der zuvor noch nicht in das Verfahren involviert war.»

Laut Andy Mestka, Sicherheitsverantwortlicher der FC St.Gallen Event AG, sei so ein «faires und sauberes Verfahren» garantiert: «Durch die Einbindung der Fanvertreter kann man gut erkennen, dass diese Vorgehensweise nichts mit irgendeiner Form von Willkür zu tun hat. Trotzdem können wir fehlbares Verhalten konsequent bestrafen.»

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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
Fan0815 (01. Mai 2012, 14:35)
Fredy Fässler als Hoffnung

Da Fredy Fässöer wohl das JPD übernehmen wird, darf der Fanblock mit mehr Verständnis rechnen. Fans dürfen ihre Unzufriedenheit ausdrücken, wie es der Arbeiter am 1. Mai tut.

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