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Tagblatt Online, 22. März 2012, 10:26 Uhr

FC St.Gallen: Albtraum Schützenwiese

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Vollbesetzte Ränge im Stadion Schützenwiese beim Cupmatch Winterthur - St.Gallen. (Bild: Keystone)

FUSSBALL. Der FC St.Gallen hat im Cup-Viertelfinal in Winterthur einen bitteren Abend erlebt. Vor fast 20 Jahren war die Schützenwiese schon einmal Schauplatz eines Dramas in Grün-Weiss – als der Club in die NLB abstieg. Ein Blick zurück mit dem damaligen Goalie Jörg Stiel.

Daniel Walt

«Mit solch einer Mannschaft hätten wir nie absteigen dürfen. Aber wenn es in einem Team nicht stimmt, ist vieles möglich.» Das sagt Jörg Stiel, ehemaliger Goalie des FC St.Gallen, zu jenem denkwürdigen Samstag, 12. Juni 1993, als er bei seinem ersten Gastspiel in St.Gallen auf der Winterthurer Schützenwiese einen Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte miterleben musste. Mit Teamkollegen wie Urs Fischer, Pierre Blättler, Ratinho, Thomas Wyss oder Pascal Thüler stieg er damals in die Nationalliga B ab.

Hitchcock-Finale vor nur 2500 Fans
Bereits die Ausgangslage vor dem letzten Match der Auf-/Abstiegsrunde in Winterthur präsentierte sich für den FC St.Gallen äusserst heikel. Der Verein lag in der Tabelle hinter Yverdon und Kriens auf Rang 3. Um nicht abzusteigen, musste er mindestens Zweiter werden, war also vom Ausgang der Spiele der Konkurrenz abhängig. Vor diesem Hintergrund mutet es erstaunlich an, dass gerade einmal 2500 Zuschauer den Weg auf die Winterthurer Schützenwiese fanden - am Mittwochabend im Cup-Viertelfinal war sie mit 8400 Fans komplett ausverkauft.

Freude nur von kurzer Dauer
Erstmals konnten die St.Galler Fans im Juni 1993 nach knapp 20 Minuten jubeln: Der direkte Konkurrent Kriens geriet in Chiasso in Rückstand. Weil es auf der Schützenwiese noch 0:0 stand, überholte der FC St.Gallen die Innerschweizer in der Blitztabelle – allerdings nur für wenige Minuten, weil die Krienser rasch ausgleichen konnten. Anfangs der zweiten Halbzeit verschärfte sich die Situation für die St.Galler nochmals deutlich: Die direkten Konkurrenten lagen mittlerweile in Führung. Und es kam noch schlimmer für Grünweiss: «Ich konzentrierte mich mehr auf den Totomat als aufs Spielgeschehen», schmunzelt Jörg Stiel rückblickend. Ein zu kurzer Rückpass Urs Fischers, und schon war es passiert: Sascha Müller – er sollte später für St.Gallen spielen – entwischte und traf zum 1:0 für Winterthur.

Drafi Deutscher und bittere Tränen
In der Folge setzen die St.Galler alles auf eine Karte – und wurden belohnt: Maurizio Jacobacci, Heribert Koch, Sergey Dmitriew und Ertan Irizik schossen das Team von Trainer Ernst Hasler noch zu einem komfortablen 4:1-Sieg. Dieser erwies sich allerdings als nutzlos, weil Yverdon und Kriens ebenfalls gewannen. St.Gallen musste nach 22 Jahren in der NLA wieder in die zweihöchste Spielklasse absteigen. «Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht…», sangen die St.Galler Fans auf den Stehrampen der Winterthurer Schützenwiese. FCSG-Regisseur Thomas Wyss vergoss vor laufender TV-Kamera bittere Tränen – und Jörg Stiel spricht fast 20 Jahre danach von einem Lehrstück, das ihn in seiner Karriere weitergebracht habe. Dasselbe erhofft er sich auch für die heutige St.Galler Mannschaft: «Ihr fehlt offensichtlich die Klasse, um ein 2:0 zu verwalten», sagt er.

Technische Probleme beim Fernsehen

In der Sendung «Sport aktuell» des Schweizer Fernsehens wurde der Beitrag zum Match Winterthur - St.Gallen zunächst nach hinten verschoben. Schliesslich konnte aus technischen Gründen nur der entscheidende, von Alberto Regazzoni verschossene Elfmeter gezeigt werden. Auf Anfrage erklärt die Medienstelle des Schweizer Fernsehens, die Übertragung vom Schnitt- zum Satellitenwagen habe zwischenzeitlich nicht hergestellt werden können. Weshalb aber war der Beitrag bei den Kollegen des Westschweizer Fernsehens zu sehen? «Die Kollegen von RTS haben den Beitrag in Genf geschnitten und von dort aus weitergeleitet, weshalb man sich in der Westschweiz nicht mit dem technischen Problem konfrontiert sah», so die Medienstelle. Für SF Info wurde «Sport aktuell» dann noch einmal umgeschnitten - ab der zweiten Wiederholung um 0.30 Uhr lief eine Version inklusive dem Matchbericht Winterthur - St.Gallen. Zudem war der Beitrag ab dem Donnerstagmorgen auch auf www.sport.sf.tv abrufbar. (dwa)



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
unbekannt (22. März 2012, 13:10)
in der.................

......afg-arena dürfen weiterhin grosse sprüche geklopft werden - sinnbildlich die aussage des jörg stiel : ihr fehlt offensichtlich die klasse, um ein 2 : 0 zu verwalten................

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