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Tagblatt Online, 18. Juli 2012, 08:26 Uhr

Sprints der Superlative

Yohan Blake und Jason Young überzeugen bei Spitzenleichtathletik Luzern

Yohan Blake läuft sich in Luzern für Olympia warm. Zoom

Yohan Blake läuft sich in Luzern für Olympia warm. (Bild: Keystone / Flüeler)

In 9,85 Sekunden läuft sich der 100-m-Weltmeister Yohan Blake in Luzern für Olympia warm. Die grosse Überraschung gelingt dem 21-jährigen Jason Young, der über 200 m in der Weltklassezeit von 19,86 Sekunden gewinnt.


Remo Geisser, Luzern

Hinter der Startlinie spielt der Wind in den Blättern einer mächtigen Linde, im Zielraum stehen Hunderte Leute, die gratis einen schönen Leichtathletikabend geniessen. Und in den Blöcken auf Bahn 4 ballt sich Yohan Blake zusammen. Ländliche Idylle und sportliche Weltklasse – das ist hier die Affiche. Blake, der von seinem Trainingspartner Usain Bolt «the beast» genannt wird, hat vor dem Start ein Tigerfauchen inszeniert, aber wirklich böse wirkte er dabei nicht.

Und wirklich erstklassig sah der Jamaicaner nicht aus, als er aus den Blöcken schoss. «Der erste Teil war schlecht», sagte Blake nach dem Rennen. Die beste Phase hatte der Sprinter, als er nach etwa 40 Metern in den High-Speed-Bereich vorstiess. Von da an waren die Gegner nur noch Statisten, das Publikum hatte seine Show.

Nur drei waren schneller

Die Wahrheit zeigt im Sprint aber immer die Uhr. An diesem Abend zeigte sie für Blake 9,85 Sekunden. Das war Stadionrekord – aber es war eben doch nicht die ganz grosse Leistung, die sich viele 17 Tage vor dem Showdown bei Olympia erhofft hatten. Blake war an den jamaicanischen Trials 9,75 gelaufen, und er hatte vor dem Start in Luzern gesagt, seine Form sei nun besser.

Ob er enttäuscht sei, wurde der Weltmeister gefragt. «Sicher nicht», antwortete er, «ich wollte hier ein Rennen laufen und alle Abläufe durchgehen.» Und: Die 9,85 sind durchaus hochklassig. Nur drei Athleten waren in diesem Jahr schneller: Yohan Blake selber, Usain Bolt und Tyson Gay.

Alles klar also mit Blick auf Olympia. Blake wird sich mit seinem Coach Glen Mills das Video anschauen, und sie werden intensiv darüber diskutieren, was der Athlet am Start und auf den ersten 30 Metern verbessern muss. Daran arbeiten die beiden schon die ganze Saison, doch offensichtlich spielen die Automatismen noch nicht immer. Dabei ist die erste Phase der Schlüssel zum Erfolg: Blake kann seinen Top-Speed so lange halten wie kein anderer. Ist er von Beginn an auf der Höhe seiner Konkurrenten, so ist er nur sehr schwer zu bezwingen.

Im Vorfeld war viel darüber diskutiert worden, was einen Mann von Blakes Klasse dazu bringt, an einem Provinzmeeting zu starten. Ums Geld kann es nicht gegangen sein, denn die Luzerner geben für das ganze Feld 300 000 Franken aus. Blakes Manager Cubie Seegobin behauptet, sein Topathlet sei nur um den Jackpot von 20 000 Dollar gelaufen. Daran partizipierten alle Sportler, die am Mittwoch eine bestimmte Leistung im Bereich der Weltklasse erreichten. Am Ende wurde der Pot durch sechs geteilt. Sollte Seegobins Behauptung stimmen, rannte Blake also in Luzern für lächerliche 3333 Dollar.

Seegobin sagte aber auch, es sei entscheidend gewesen, dass Luzern neben dem Star eine grosse Gruppe aus dessen Racers Track Club eingeladen habe. Der Trainer dieses Klubs ist Glen Mills, der Usain Bolt zum Superstar und Yohan Blake zum Weltmeister machte. Mills gehört zu den grossen Förderern der jamaicanischen Leichtathletik, er spürt immer wieder neue Talente auf und betreut rund 60 Athleten.

Die meisten davon sind noch namenlos, und das galt auch für Jason Young. Der Bursche ist 21 Jahre alt und stand vor seinem Start in Luzern mit Bestzeiten von 10,19 und 20,42 Sekunden zu Buche. Dass er im B-Final über 100 m seine Bestzeit auf 10,06 senkte, ging in der Spannung über den bevorstehenden Start von Blake unter. Doch später am Abend stand Young ganz allein im Mittelpunkt. Über 200 m lief er der Konkurrenz auf und davon und liess sich in 19,86 Sekunden stoppen.

Plötzlich Weltklasse

Das ist die drittbeste in diesem Jahr gelaufene Zeit. Man reibt sich die Augen: schon wieder ein Supertalent aus dem Stall von Glen Mills. Der Exploit kommt für Young allerdings etwas spät. An den Jamaica-Trials verpasste er als 7. die Olympiaqualifikation deutlich.

Ach ja, im Bericht über ein Schweizer Meeting würde man auch Informationen über Schweizer Athleten erwarten. Zumal die Luzerner Organisatoren immer wieder viel in einheimisches Schaffen investiert haben. Die Information lässt sich in zwei Worte fassen: nicht erwähnenswert.

Spitzenleichtathletik Luzern in Zahlen

Männer. 100 m. A-Serie (+ 1,6 m/s): 1. Blake (Jam) 9,85. 2. Frater (Jam) 10,00. 3. Burns (Tri) 10,00. – 8. Malcolm Fongué (Sz) 10,53. – B-Serie (+ 1,0 m/s): 1. Young (Jam) 10,06. – 200 m (+ 1,5 m/s): 1. Young (Jam) 19,86. 2. Weir (Jam) 20,11. 3. Sorrillo (Tri) 20,40. – 110 m Hürden. A-Serie (+ 0,1 m/s): 1. Wilson (USA) 13,32. 2. Riley (Jam) 13,33. 3. Oliver (USA) 13,38. – B-Serie (+ 0,1 m/s): 1. Akins (USA) 13,30. 2. Brown (USA) 13,32. – 3000 m Steeple: 1. Kipchoge (Ken) 8:16,56. 2. Genest (Ka) 8:24,39. 3. Regassa (Ho) 8:25,66. – Hoch: 1. Thomas (Bahamas) 2,27. 2. Torro (Fi) 2,24. 3. Prozenko (Ukr) 2,24. – Hammer: 1. Sokryski (Ukr) 78,66. 2. Ziolkowski (Pol) 75,57. 3. McCullough (USA) 75,09. – 1500 m Rollstuhl: 1. Hug (Sz) 3:24,27.

Frauen. 100 m. A-Serie (+ 0,1 m/s): 1. Brooks (Jam) 11,12. 2. Baptiste (Tri) 11,13. 3. Williams (USA) 11,13. – B-Serie (+ 2,0 m/s): 1. Townsend (USA) 11,23. – 6. Sprunger (Sz) 11,67. 7. Lavanchy (Sz) 11,81 (SB). – 200 m (+ 1,0 m/s): 1. Williams (USA) 22,52. 2. Campbell-Brown (Jam) 22,70. 3. Bailey (Jam) 23,02. – 6. Sprunger (Sz) 23,47. – 3000 m: 1. Cherono (Ken) 8:45,93. 2. Buze (Äth) 8:46,85. 3. Gebru (Äth) 8:47,49. – 100 m Hürden. A-Serie (+ 0,7 m/s): 1. Crawford (USA) 12,61. 2. Yanit (Tür) 12,73. 3. Wells (USA) und Castlin (USA), je 12,79. – B-Serie (+ 1,4 m/s): 5. Reuse (Sz) 13,32. – 400 m Hürden: 1. Ajoke Odumosu (Nig) 55,12. 2. Jaroschtschuk (Ukr) 55,30. 3. Ristananna (Jam) 56,57. – Hoch: 1. Demireva (Bul) 1,95. 2. Laurence Jungfleisch (De) 1,95. 3. Pooley (Gb) 1,86. – 5. Lundmark (Sz) 1,86. – Stab: 1. Dennison (Gb) 4,56. 2. Boyd (Au) 4,51. 3. Holliday (USA) 4,41. – Weit: 1. Kutscherenko (Russ) 6,83 (+ 0,9 m/s). 2. Reese (USA) 6,77 (+ 0,9 m/s). 3. DeLoach (USA) 6,64 (+ 1,2 m/s). – Kugel: 1. Adams (Neus) 21,11. 2. Kleinert (De) 18,91. 3. Carter (USA) 18,68. – Speer: 1. Obergföll (De) 62,94. 2. Rebryk (Ukr) 61,04. 3. Mickle (Au) 60,97. – 800 m Rollstuhl: 1. Graf (Sz) 2:05,88.



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