Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 2. Juli 2012, 00:00 Uhr

Spanien bleibt auf dem Thron

Captain Iker Cassilas (m.) und sein Team sind alter und neuer Europameister. Zoom

Captain Iker Cassilas (m.) und sein Team sind alter und neuer Europameister. (Bild: Gregorio Borgia/Keystone)

Mit der besten Leistung an der EM gewinnen die brillanten Spanier den Final in Kiew gegen Italien 4:0. Italien gelingt es im Endspiel nicht, die Leistung aus dem Halbfinal zu bestätigen.


Stephan Ramming, Kiew

Von Stephan Ramming, Kiew

Am Ende war es ein Schaulaufen. Sergio Ramos musste über die eigene Idee lachen, nachdem er an Italiens Goalie Buffon mit einem Absatztrick gescheitert war. 4:0 stand es da, die eingewechselten Torres (84.) und Mata (88.) hatten der in der zweiten Hälfte eklatanten Dominanz der Spanier die Krone aufgesetzt. Dann war Schluss im Olympiastadion in Kiew, Spanien jubelte, die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque gewann als erste Mannschaft überhaupt drei Titel in Folge – 2008 die EM, 2010 die WM und nun also auch 2012 abermals die EM. «Wir wollen Geschichte schreiben», hatte der Captain Iker Casillas vor dem Spiel gesagt. Das ist den Spaniern gelungen.

Sie hatten im Final die beste Leistung an diesem Turnier gezeigt, sie hatten sich für das letzte, entscheidende Spiel noch einmal gesteigert, nachdem im Vorfeld leise Kritik laut geworden war, dass der Stil der Spanier überholt sein könnte, dass Gegner wie Italien, Deutschland oder auch Kroatien das Gegenmittel gegen den Kombinationsfussball gefunden haben und die Epoche der spanischen Dominanz als stilbildende Mannschaft zu Ende sein könnte. Die Epoche ist nicht zu Ende. Spanien hat die Antwort im Final gegeben, Spanien bleibt das Mass im Fussball, Spanien bleibt auf dem Thron.

Bestes Tiki-Taka

Die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque war schon nach 14 Minuten in Führung gegangen, mit einem Tor, das in Entstehung und Vollendung zu den schönsten dieser EM gehörte: Iniesta spielte einen wunderbaren Pass wie mit dem Lineal gezogen zur Grundlinie, der kleine Fabregas liess den grossen Chiellini ins Leere laufen, der noch kleinere Silva traf die scharfe Flanke in den Rückraum mit dem Kopf – es war der Beweis, dass man Tiki-Taka auch in der Luft spielen kann.

Die Italiener mussten reagieren – und sie taten es. Eine Corner-Triplette von Pirlo brachte Gefahr vor dem spanischen Goalie Casillas, aber keinen Treffer für Italien, Cassano versuchte es mit Weitschüssen, Balotelli ebenso. Mehr und mehr zeigte sich, dass die Spanier mit dem Vorsprung im Rücken zur besten Vorstellung an dieser EM ansetzten. Xavi, der zuletzt gegen Portugal nicht überzeugt hatte und ausgewechselt worden war, nahm das Spiel zusammen mit Iniesta und Xavi Alonso in die Hand, das Spiel wurde nicht nur in die Breite gezogen, sondern bekam auch Tiefe.

Das lag vielleicht auch an den taktischen Änderungen, die der italienische Coach Cesare Prandelli im Vergleich mit der ersten Partie gegen Spanien vorgenommen hatte. Beim 1:1 spielte Italien mit einer Dreier-Abwehr und konnte so die Räume eng machen, im Final liess Prandelli wie im Halbfinal gegen Deutschland mit vier Abwehrspielern verteidigen. Prandelli hatte also sozusagen das richtige Rezept in der Hand, entschied sich aber für das falsche. Ob es allein daran lag? Im Nachhinein lässt sich leicht werweissen. Die Spanier liessen es nicht zu, dass Balotelli und Cassano einen grossen, anarchischen Moment hatten, Pirlo fand den Weg zu den beiden Angreifern selten, und nach dem 2:0 kurz vor der Pause (41.) – auch dies ein wunderbar herausgespieltes Tor, das Xavi vorbereitet und Alba vollendet hatte – fehlte der Glaube, gegen dieses Spanien etwas ausrichten zu können.

Balotellis Tränen

Und so jubelten die einen, die andern weinten. Buffon, der nach dem WM-Titel 2006 unbedingt am Ende seiner grossen Karriere den Final gewinnen wollte, umarmte tröstend Mitspieler und Gegner, Balotelli sass mit hängendem Kopf auf dem Rasen und verdrückte ein paar Tränen. Er musste zusehen, wie sich die Spanier feiern liessen und sich selbst feierten. Über dem Stadion explodierte ein mächtiges Feuerwerk, der Pokal wurde vom tanzenden Iniesta, vom feiernden Xavi, von Casillas und all den anderen durchs Stadion getragen. Die EM war zu Ende, Spanien ist Europameister, zu Recht und verdient.

Das Spiel im Telegramm

Spanien - Italien 4:0 (2:0)

Olympiastadion, Kiew. - 60'000 Zuschauer. - SR Proença (Por). - Tore: 14. Silva 1:0. 41. Jordi Alba 2:0. 84. Torres 3:0. 88. Mata 4:0.

Spanien: Casillas; Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba; Xavi Hernandez, Busquets, Xabi Alonso; Silva (59. Pedro), Fabregas (75. Torres), Iniesta (87. Mata).

Italien: Buffon; Abate, Barzagli, Bonucci, Chiellini (21. Balzaretti); Pirlo; Marchisio, Montolivo (56. Thiago Motta), De Rossi; Balotelli, Cassano (46. Di Natale).

Bemerkungen: Beide Teams komplett. Verletzt ausgeschieden: 21. Chiellini. 61. Thiago Motta (Italien ab diesem Zeitpunkt zu zehnt). Verwarnungen: 25. Piqué. 45. Barzagli (beide wegen Fouls).

JKFED



Morgen in der
Hommage an Saurer
Industriebrache Das Areal WerkZwei in Arbon erinnert schmerzlich an den Niedergang von Saurer. Auf der riesigen Industriebrache soll nun eine neue Stadt entstehen.
Zuberbühler zur Goalie-Frage
Fussball Marcel Herzog und Daniel Lopar wechseln sich im Tor des FC St.Gallen ab – die Rochade gibt zu reden.
370 Marktstände in Luino
Markttag Zu Ferien im Tessin gehört seit jeher auch der Ausflug auf einen Markt ennet der Grenze.
Letzter EM-Test in Frauenfeld
Leichtathletik An den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld wird die EM simuliert – nicht nur bei den Athleten.

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Tippen & Gewinnen

Ostschweizer Trauerportal

teaser-ROS-trauer

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg