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Tagblatt Online, 5. August 2012, 20:54 Uhr

«Ich bin emotional ausgelaugt, enttäuscht»

Das Lachen wiedergefunden: Silbermedaillen-Gewinner Roger Federer. Zoom

Das Lachen wiedergefunden: Silbermedaillen-Gewinner Roger Federer. (Bild: Keystone / Bott)

Das Team «GB» ist nicht mehr zu stoppen – nicht einmal in Wimbledon vom 17-fachen Grand-Slam-Champion Roger Federer. Der Schweizer Rasen-King wurde im Olympia-Final von Andy Murray entzaubert.


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Bilderstrecke: Silber für Roger Federer

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Roger Federer hat im Olympia-Final gegen den Schotten Andy Murray keine Chance und unterliegt 2:6, 1:6, 4:6. Der Schweizer geht dennoch nicht leer aus und gewinnt Silber. (Bilder: Keystone)


2:6, 1:6 und 4:6 unterlag die mehrheitlich chancenlose Weltnummer 1 Roger Federer dem besten Briten seit dem legendären Fred Perry, der 1936 gleichenorts die englischen Tennis-Supporter mit der letzten erheblichen Tennis-Trophäe beglückte. Federer akzeptierte die Dominanz von Murray und gratulierte dem 25-Jährigen im Stile eines Gentlemans: «Andy war heute einfach besser.»

Der für seine Verhältnisse missratene Abschluss einer zuletzt wieder brillanten Phase löste beim Schweizer «Maestro» keinen Tränenschub aus. Der Basler analysierte das klare Verdikt ohne jegliche Verbitterung. An der Medienkonferenz «retournierte» der Super-Star alle Fragen perfekt.

Eine Aufzeichnung der Sportinformation:

Sie haben im Halbfinal gegen Juan Del Potro einen Marathon bewältigen müssen. Spürten Sie den Abnützungskampf? Kam eine gewisse mentale Müdigkeit auf?

Ich fühlte mich am Morgen körperlich gut, auch überhaupt nicht angespannt, sondern ruhig und hatte eigentlich kein schlechtes Gefühl. Die Vorbereitung verlief optimal. Aber das Problem war schon, dass ich die ganze Zeit über hinten lag. Wenn dann der Satz weg ist und man mit Break zurückliegt, wird es schwierig. Man freut sich plötzlich über ein 15:15, weil so vieles enttäuschend verläuft. Andy spielte zudem immer besser. Bei mir waren die Emotionen vielleicht schon etwas aufgebraucht. Meinen Olympia-Moment erlebte ich bereits im Halbfinal gegen Del Potro. Das war ein Riesenspiel. Am Schluss war es eine Kombination von vielen Faktoren.

Wie werten Sie die Differenz zwischen Gold und Silber?

Ich habe ja bereits einmal Gold gewonnen und schaue jetzt nicht mit Bedauern auf den Final zurück. Klar, ich bin emotional ausgelaugt, enttäuscht. Aber ich konnte nicht mehr geben, ich habe alles versucht. Andy war heute einfach besser. Daran gibt es nichts zu rütteln. Womöglich hätte ich mehr Mühe, wenn ich im fünften Satz 17:19 verloren hätte. Und wenn man schon ein Endspiel verliert, dann das an Olympia. Der Verlierer fährt hier ja nicht mit leeren Händen nach Hause. Bereits der Viertel- und Halbfinal fühlten sich wie Finals an.

Könnte der erste Triumph in Wimbledon in der Karriere von Andy Murray einen Schub auslösen?

Ich glaube nicht, dass er dazu einen Olympia-Sieg benötigt hätte. Murray war schon vorher ein aussergewöhnlicher Spieler. Er spielte vor vier Wochen ein ausgezeichnetes Wimbledon-Turnier. Hier besiegte er hintereinander Novak und mich. Er ist nach der Finalniederlage gegen mich wie ein Champion zurückgekehrt. Ihm kam wohl auch etwas entgegen, dass sich im britischen Sport in diesen Tagen viel ereignet hat. Der Fokus war nicht einzig auf das Tennis-Turnier und Murray gerichtet.

Ihre Freude über Silber ist also grösser als der Ärger über die Finalniederlage?

Zunächst einmal bin ich extrem stolz, diese Medaille gewonnen zu haben. Vielleicht wird die Enttäuschung in einem Tag, in einer Woche oder einem Monat noch grösser. Ich bin älter geworden, ich kann mit solchen Dingen besser umgehen als früher. Man kann fünf Minuten oder fünf Jahre investieren, um diese Niederlage zu akzeptieren. Ich habe mich für die kürzere Variante entschieden.

Was bleibt für Sie haften? Welche Erinnerungen nehmen Sie mit von den Olympischen Spielen?

Ich bin ausserordentlich froh, erneut teilgenommen zu haben. Was ich hier gelernt habe, werde ich wohl erst mit der Zeit realisieren. Aber alle die Olympischen Spiele zuvor waren für mich essenziell, sie veränderten mein Leben: in Sydney, in Athen, in Peking. Die Chance, an Olympia dabei sein zu können, sollte man immer packen.

Ist es denkbar, dass Sie 2016 an den Olympischen Spielen in Brasilien zum fünften Mal antreten?

Wie ich es schon vor dem Turnier ein paar Mal gesagt habe, ist es nicht unmöglich. Aber vier Jahre sind lange. Ich könnte ja auch zurücktreten und wieder zurückkommen. Für mich ist es immer wunderbar, die Schweiz irgendwo auf dieser Welt repräsentieren zu können. Das macht mich stolz. Und in Rio war ich noch nie.»



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
deich (06. August 2012, 09:08)
Aus

Es war eine krachende Niederlage! Da fehlte einfach die Leidenschaft. "Federer-National" hat es selbst bemerkt, liest man seine Worte genauer. Warum das so war, muss er bei sich suchen. Da bleibt nur der nationalbewusster Hinweis zurück, "stolz" zu sein, "die Schweiz irgendwo auf dieser Welt repräsentieren zu können". Als "Mann der Werbung" für alle möglichen und unmöglichen Artikel gelingt im das tatsächlich weltweit. Und sein Steuerdomizil hat er geschickt in ein vorläufiges Paradies verlegt und macht damit zusätzlich Werbung für Helvetien.

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