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Tagblatt Online, 30. Mai 2012, 23:10 Uhr

Auf die Gala folgt der Murks

Schweizer Fussball-Auswahl verliert in Luzern das Testspiel gegen Rumänien 0:1

Granit Xhaka (l.) im Laufduell mit Rumäniens Daniel George Niculae. Zoom

Granit Xhaka (l.) im Laufduell mit Rumäniens Daniel George Niculae. (Bild: Keystone / Tischler)

Die Schweiz lässt vieles vermissen, was sie im Testspiel gegen Deutschland gezeigt hat und verliert 0:1 gegen Rumänien. «Vielleicht war es auch ein Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt», sagt Hitzfeld nach dem Match, man wisse nun, dass «noch viel Arbeit» bevorstehe.


Stephan Ramming, Luzern

Das Spiel bestimmen, nochmals an die Leistungsgrenze gehen – so lautete die Massgabe des Trainers Ottmar Hitzfeld für die zweite Partie in der rund zehntägigen Übungseinheit der Nationalmannschaft. Immerhin galt es, nach dem 5:3 gegen Deutschland mit einem positiven Eindruck in die Sommerpause zu gehen. So nahm Hitzfeld gegenüber dem Samstag nur drei Wechsel vor – ein klares Signal: Keine Experimente, bis zum Start der WM-Qualifikation soll erwartungsfrohe Ruhe herrschen.

Schweizer Stückwerk

Dieses Vorhaben ging gründlich schief. Schon nach den ersten drei Minuten hätten die Rumänen 2:0 in Führung liegen müssen, der Debütant Grozav und Tanase vergaben jedoch ihre Chancen – die Schweizer Abwehr, in der neben Senderos Djourou statt von Bergen in die Startaufstellung gerückt war, liess sich übertölpeln. In der Folge zeigte sich, wie schwer es den Schweizern gegen ein Team auf Augenhöhe fällt, das Spiel in die Hand zu nehmen und Druck auszuüben. Einzig Barnetta kam zwei Mal zu Chancen, seine Schüsse gingen jedoch über das Tor.

Die Schweizer kontrollierten zwar das Geschehen, immer wieder unterliefen ihnen aber Unkonzentriertheiten. Vor allem Senderos und Djourou waren defensiv fehleranfällig und unsicher in der Spieleröffnung. Kurz: Wenig lief zusammen, aus der Gala vom Samstag im St. Jakob-Park war ein müder Murks geworden.

So verbreiteten die 11 800 Zuschauer andächtige Stille, nur gelegentlich von einer Guggenmusik unterbrochen – bis sich Lichtsteiner tief in der gegnerisch Platzhälfte einen unnötigen Ballverlust leistete, Senderos hinter dem Gegner über den Rasen rutschte und Ziegler den davongeeilten Torje beim Flanken gewähren liess – Grozav traf mit dem Kopf zum 1:0 für die Rumänen (56.). Damit fand sich das Team von Hitzfeld in jener Situation wieder, mit der es sich schon immer schwergetan hat: unter dem Druck eines Rückstandes das Spiel zu bestimmen, Ruhe zu bewahren und sich Chancen herauszuarbeiten. Doch das gelang nicht.

Die Rumänen verteidigten zäh und solide, das Spiel der Schweizer blieb Stückwerk. Djourous Kopfball-Chance nach einem Freistoss von Barnetta lenkte der rumänische Goalie über die Latte; es wäre die unverdiente Resultatkosmetik in der Nachspielzeit gewesen. Der Schiedsrichter pfiff ab, die Schweizer waren nach dem Basler Euphorie-Schub wieder auf dem harten Holzboden der Realität gelandet.

«Noch viel Arbeit»

Nach der enttäuschenden Leistung hinterlassen die Schweizer einen zwiespältigen Eindruck mit Blick auf die WM-Qualifikation. Glänzte am Samstag der Schweizer Fussballhimmel hell, hängen nun wieder Gewitterwolken über der Zukunft. «Vielleicht war es auch ein Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt», sagte Hitzfeld, man wisse nun, dass «noch viel Arbeit» bevorstehe. Auf dem Weg nach Brasilien lauern Slowenien, Albanien, Zypern, Island und Norwegen. Am 15. August testet Hitzfeld gegen Kroatien, am 7. September gilt es ernst in Slowenien, am 11. September folgt Albanien – wieder in Luzern. Das Vorspiel an gleicher Stelle ist den Schweizern schon einmal missglückt.

Schweiz - Rumänien 0:1 (0:0)

Swisspor-Arena, Luzern. - 11'850 Zuschauer. - Schiedsrichter: Moen (Norwegen). - Tor: 56. Grozav (Torje) 0:1.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Senderos, Djourou, Ziegler (85. Morganella); Inler, Xhaka (76. Wiss); Stocker (64. Emeghara), Mehmedi (64. Winter), Barnetta; Derdiyok.

Rumänien: Lobont; Papp, Gaman (85. Goian), Chiriches, Rat; Bourceanu (55. Grigore), Florescu (55. Lazar); Torje (82. Maxim), Grozav (66. Chipciu), Tanase; Niculae (52. Alexe).

Bemerkungen: Schweiz ohne Dzemaili, Shaqiri, Behrami, Rodriguez (alle verletzt), Benaglio, Wölfli (beide Ersatzgoalie), Fernandes, Von Bergen, Affolter (alle nicht eingesetzt). Verwarnung: 80. Chiriches (Foul).



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
unbekannt (31. Mai 2012, 07:34)
eine...........

.....horde von überzahlten feierabendkickern, frei dem motto, auch der dümmste bauer findet ab und an eine grosse kartoffel -

Beitrag kommentieren

deich (31. Mai 2012, 10:28)
Strohfeuer

Die CH-Elf wurde aber rasch von den Socken gekippt gegen eine Mannschaft, die sich einfach mit gutem Zweikampfverhalten, einer einwandfreien Ballbehandlung, sowie mit Spritzigkeit der Euphorie nach dem Deutschlandspiel (gegen eine desolate Hintermannschaft aus dem Norden!) entgegen stellte. Dabei waren die Rumänen total harmlos vor Sommer's Rechteck. Eine Mannschaft mit guten, motivierten Stürmern durchbräche die CH-Defensive allemal einwandfrei. Hitzfeld hat noch einiges zu tun, um die mehrheitlich fähigen Schweizer Einzelspieler zu einer kompakten, körperlich kräftig ausgebildeten und systematisch spielenden Crew zu entwickeln. Deutschland war ein Strohfeuer. Der Trainer hat sich das gestern bestätigen lassen. Er wusste das sicher schon vor dem Spiel. Schön war's in Basel nur für die Statistik.

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