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Tagblatt Online, 23. Mai 2012, 20:40 Uhr

Alles, was er geben musste

Der Deutsche Paul Biedermann wird auch über 200 Meter Crawl Europameister – Dominik Meichtry 5.

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Paul Biedermann. (Bild: Keystone / Becker)

Am dritten Tag der EM in Debrecen gewinnt Paul Biedermann sein zweites Gold. Nur mit der Zeit ist der Doppel-Weltrekordhalter abermals nicht zufrieden. Crawlspezialist Dominik Meichtry verpasst über seine Paradestrecke 200 m eine Medaille deutlich.


Christof Gertsch, Debrecen

Wo auch immer ein 200- oder ein 400-Meter-Crawl-Rennen stattfindet auf der ganzen weiten Welt, Paul Biedermann ist ein Teil davon, gewissermassen. Als Weltrekordhalter in den beiden Disziplinen findet er in Start- und Ranglisten Erwähnung, selbst wenn er nicht teilnimmt – mit Leistungen, die einen heute noch staunen lassen, drei Jahre nachdem er sie erbracht hat. Die 1:42,00 und die 3:40,07 Minuten von den Weltmeisterschaften im heissen Sommer 2009 in Rom dürften bis auf weiteres unerreicht bleiben. Denn Anfang 2010 wurden die Ganzkörperanzüge, die alle so schnell gemacht hatten, auch und ganz besonders Biedermann, verboten.

Seither ist viel Zeit vergangen. Biedermann etablierte sich auch in der Ära nach den Bodysuits an der Weltspitze, an den WM 2011 wurde er zweimal Dritter. Und trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass er sich nach wie vor auf einer Art Rechtfertigungstour dafür befindet, dass er den Überschwimmern Michael Phelps und Ian Thorpe die in vergleichsweise normalen Anzügen erzielten Bestleistungen weggeschnappt hat. Biedermann versteht sich inzwischen zwar einigermassen glaubhaft darauf, die Olympischen Spiele vom Sommer in London nicht auf das Duell gegen Phelps zu reduzieren – aber dass er im Fokus stehen wird, lässt sich nicht verhindern. Sein Name steht ja auf allen Start- und Ranglisten zuoberst, er ist nun einmal der Weltrekordhalter.

Aber nicht der Jahresbeste, bei weitem nicht, auch nicht nach den zwei Siegen an den EM in Debrecen. Am Montag gewann er die 400 Meter in 3:47,84 – elf Schwimmer waren heuer schneller, teilweise deutlich. Und das 200-Meter-Rennen am Mittwoch, das der Schweizer Dominik Meichtry in ansprechenden, aber nicht überragenden 1:48,53 als Fünfter beendete, gewann er in 1:46,27 – fünf Schwimmer waren heuer schneller, teilweise deutlich. Biedermann war erneut nicht ganz zufrieden mit der Zeit, obgleich er auf den Zweiten einen Vorsprung von fast 1,5 Sekunden hatte. Es war, als habe er genau so viel geben können, wie er gerade geben musste.

In London wird ihn eine andere Konkurrenz erwarten. Das Rennen dürfte zum bestbesetzten der Geschichte werden. Biedermann, der 14-fache Olympiasieger Phelps, der Weltmeister Ryan Lochte, der an den EM fehlende Franzose Yannick Agnel, der 400-Meter-Olympiasieger Park Tae-Hwan – sie alle sind für den Sieg gut. «Sag ich doch», sagte Biedermann kürzlich. «Es gibt nicht nur Phelps und den Deutschen.»



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