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Tagblatt Online, 13. Juli 2012, 08:52 Uhr

«Kanalisieren statt verteilen»

Thomas Kern, CEO Flughafen Zürich, während einer Medienorientierung zum Staatvertrag mit Deutschland (12. Juli 2012). Zoom

Thomas Kern, CEO Flughafen Zürich, während einer Medienorientierung zum Staatvertrag mit Deutschland (12. Juli 2012). (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)

Der Flughafen-CEO Thomas Kern begrüsst den Staatsvertrag, weil er moderates Wachstum der Flugbewegungen erlaube. In der Schweiz soll der Fluglärm konzentriert werden. Darum fordert Kern den gekröpften Nordanflug.


Interview: Andreas Schürer

Herr Kern, Sie sagten, der vorliegende Staatsvertrag sei besser als jener, den Moritz Leuenberger im Jahr 2001 ausgehandelt hat. Reden Sie sich das ein?

Nein, ganz und gar nicht, der neue Vertrag hat zwei wesentliche betriebliche Vorteile. Zum einen sieht er keinen Bewegungsplafond vor. Wir können uns also moderat weiter entwickeln, was schwierig gewesen wäre bei einer Beschränkung der Zahl der Anflüge über Süddeutschland auf 100 000 pro Jahr, wie sie der alte Staatsvertrag vorgesehen hätte. Der andere Vorteil ist, dass der neue Vertrag bis ins Jahr 2030 nicht kündbar ist. Das gibt uns Planungs- und Investitionssicherheit.

Der Flughafen will den Lärm so gut es geht kanalisieren statt verteilen. Ist das im heutigen Umfeld umsetzbar?

Den Lärm zu kanalisieren ist nicht unsere Erfindung – das ist insbesondere die Grundidee der Lärmschutz-Gesetzgebung. Aber es liegt politisch tatsächlich im Trend, alle einen Teil der Lärmbelastung tragen zu lassen. Das führt faktisch zu einer ungewollten Verteilung.

Mit dem präsentierten Betriebskonzept, das ab dem Jahr 2020 angewendet werden soll, geben Sie Gegensteuer. Sie hätten auch mehr Südanflüge vorschlagen können.

Ja, wir wollen Gegensteuer geben. Der konkreteste Ansatz dafür ist der gekröpfte Nordanflug. Wir wollen der Verteilung Einhalt gebieten, indem wir die Anflüge bestmöglich über Norden kanalisieren, wo am wenigsten Menschen leben. Es wird aber in jedem Fall in allen Himmelsrichtungen eine Belärmung geben. Ein Unterschied zum heutigen Betrieb ist nach unserem Vorschlag, dass wir den Süden am Morgen entlasten könnten. Am Abend muss aber bei schlechter Sicht auch nach 2020 von Süden angeflogen werden.

Die Ost-West-Piste soll aber zur Hauptlandepiste ertüchtigt werden.

Der Ostanflug wird stabiler, das stimmt. Aber ein Instrumentelandesystem der Kategorie 3 werden wir für diese Piste nicht installieren können.

Als Verlierer des Kompromisses mit Deutschland empfindet sich der Osten.

Es wäre unredlich zu verneinen, dass der Osten in den von uns vorgelegten Konzepten zur Umsetzung des Staatsvertrages einen grösseren Anteil übernehmen muss – das ist so. Die Grundidee dieser Variante ist aber im SIL, dem Sachplan Infrastruktur Luftfahrt, enthalten.

Gefordert wird, der Flughafen solle statt Direktflüge in alle Kontinente nur noch Verbindungen zu den europäischen Drehscheiben anbieten – kleinere Brötchen backen.

Das ist letztlich eine politische Frage. Unser Auftrag ist, die Nachfrage nach Direktverbindungen zu den wichtigsten Metropolen der Welt zu befriedigen. Das tun wir, auch im Interesse des Wirtschaftsstandortes, und wir werden diese Anbindung auch mit dem neuen Staatsvertrag gewährleisten können. Wenn es politisch nicht mehr erwünscht ist, können wir reagieren – aber solange dies nicht der Fall ist, erfüllen wir unseren Auftrag so gut wie möglich.



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